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Die Flucht vor dir (TC/ Slash)


 

   Die Flucht vor dir (TC/ Slash)
   Thema aus der Rubrik -> FF-Archiv
 
Autor

Nachricht

Silver Moon



Anmeldungsdatum: 02.06.2007
Beiträge: 37
Wohnort: Rheinland-Pfalz

BeitragVerfasst am: 05.06.2007 05:30    Titel: Die Flucht vor dir (TC/ Slash)


Autor: Silver Moon

Titel: Die Flucht vor dir

Kategorie: Oneshot

Story: Ein kalter Morgenanbruch, ein Bill der über seine Gefühle nachdenkt und ein Tom, der nach seinem Bruder sieht, um den er sich Sorgen macht.

Pairing: Bill x Tom

Warnung: Slash (Liebe zwischen Jungs); Inzest (Twinzest)

Disclaimer: Auch wenn sämtliche Personen dieser Geschichte real sind, so sind die Handlungen und Beziehungen dennoch frei erfunden.

Betaleser: Die umwerfende, einmalige und überaus talentierte FairieQueene


~~*~~


Die Flucht vor dir


Die Nacht verblasst bereits und die ersten Strahlen des Morgens tanzen über den Horizont. Doch ihr Licht ist noch zaghaft, fast so, als ob sie sich scheuen würden die Nacht zu vertreiben. Der Kampf um die Vorherrschaft des Himmels entwickelt die unterschiedlichsten Farben und eine jede von ihnen ist schöner als die andere. Es ist ein Schauspiel der Natur und scheint so sehr zu meinen Gefühlen zu passen, sie zu untermalen, dass es mich erschaudert. Nicht die Kälte der Nacht, die von den Sonnenstrahlen allmählich hinfort geschwemmt wird, sondern die Stimmung, die von mir Besitz ergriffen hat, ist es, die mich kaum merklich zittern lässt.

Ich denke an dich. Denke daran, weshalb ich heute nicht im Haus übernachtet habe, in der Sicherheit meines warmen Bettes geborgen, sondern im Garten, fern von jeglicher Bequemlichkeit. Um meine Schultern hängt der geöffnete Schlafsack, den ich mit sechs Jahren mit im Zeltlager gehabt habe und unter meinem Po befindet sich eine Isoliermatte. Es ist kein wirklicher Schutz gegen die Nachtluft gewesen, doch mich stört es nicht im Geringsten. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich die Kälte gebraucht habe. Hätte Mama gemerkt, dass ich hier, und nicht in meinem Bett wäre, sie hätte mich ausgeschimpft und ins Haus gezerrt. Jede Erkältung kann große Probleme mit sich bringen, denn immerhin bin ich Sänger, aber mir war es egal.

Da waren noch immer die Gedanken an dich.

Seit zwei Monaten hast du wieder eine Freundin und ich gönne dir dieses Glück von ganzem Herzen, auch wenn es mich traurig stimmt. Zwar hattest du einmal gesagt, keine Frau könnte sich zwischen uns stellen, doch… Es fühlt sich für mich nicht so an. Du magst aufgrund der Band noch viel Zeit mit mir verbringen, aber jede freie Minute verbringst du damit, mir ihr zu telefonieren, oder sie zu sehen. Wir unternehmen fernab der Band kaum noch etwas miteinander. Kannst du spüren, wie sehr du mich damit verletzt? Du konntest doch sonst immer fühlen, was ich gefühlt habe.

Vielleicht, so sage ich mir, liegt es aber auch daran, dass ich bereit bin eine Grenze zu überschreiten. Eine Grenze, die so ungeheuerlich ist, dass ich nicht weiß, ob ich es tatsächlich wagen soll. Mein Herz ist diesen Schritt schon längst gegangen, doch mein Verstand weigert sich noch. Die Probleme die sich auftun würden, nur wenn ich dir davon erzählen würde, was mich seit langem beschäftigt, wären unglaublich und es wäre eine Katastrophe, wenn noch jemand anderes davon erführe.

Ich kann es dir nicht sagen.

Wie könnte ich dir, meinem Bruder, meinem Zwilling sagen, dass ich dich liebe? Dich mehr liebe, als ich es nach außen hin behaupte? Dass ich mein Leben mit dir an der Seite verbringen möchte, nicht weil wir Brüder sind, sondern weil wir in meinen Augen mehr sind.

Jede Nacht, welche wir Zimmer an Zimmer verbringen, wird für mich schwerer, denn oft liege ich wach und wünsche mir den Mut zu finden, die Türen zu durchschreiten, die uns trennen und mich zu dir zu legen. Heimlich dein friedliches Gesicht im Schlaf zu beobachten, während ich den warmen Duft deines Körpers in mich atme und vor Sehnsucht zergehe. Der Mut kommt aber nicht und ich bleibe jedes Mal aufs Neue in meinem Bett liegen und starre an die Wand, unfähig etwas anderes zu machen.

Die ersten Vögel, die ihre Stimmen schon vor einer Weile erhoben haben, trauen sich nun aus den Bäumen und Büschen und huschen auf der Suche, nach etwas essbarem auf dem feuchten Gras umher und picken nach Würmern. Mit meinen Augen folgte ich ihrem Treiben, wenngleich es mich nicht berührt. Nichts kann mich berühren, wenn alles was mich ausmacht, sich in die Sehnsucht nach dir verwandelt hat.

Das leise Geräusch der Terrassentür lasst mich aufhören. Es passt nicht zu der morgendlichen Geräuschkulisse, welche die ländliche Gegend, in der unser Elternhaus steht, gehört. Alleine die Art, wie die Tür geschlossen wird, lässt mich wissen, dass du es bist, der zu mir kommt und nicht Mama oder Gordon. Deine Füße sind nackt, als du zur mir tappst. Ganz automatisch rücke ich ein Stück auf meiner Matte zur Seite, lasse dich Platz nehmen und gebe dir etwas von dem Schlafsack ab.

Deine Schulter berührt die meine und ich zucke zusammen, denn erst jetzt wo ich deine Wärme spüren kann, merke ich, wie kalt mein Körper ist. Doch auch du bemerkst es und legst deinen Arm um mich, um mich in eine wärmende Umarmung zuziehen.

„Warum bist du nicht rein gegangen?“

Weil ich vor dir geflohen bin. Dieser Satz liegt mir auf den Lippen, doch ich schlucke ihn hinunter, wie ich alles hinunter schlucke, welches meine Liebe zu dir offenbaren könnte.

„Mir war nicht danach.“
„Was ist los mir dir, Bill.“
„Nichts.“
„Bill.“

Dein Tonfall sagt alles. Du brauchst kein Wort mehr zu sagen, mein Name reicht alleine, um mich erkennen zu lassen, dass das Band, welches schon seit unserer Geburt zwischen uns herrscht, nicht gerissen ist. Ich schließe meine Augen und atme tief ein. Mein Geruchsinn erfasst das feuchte Gras ebenso sehr, wie den leichten Geruch von nächtlichem Schweiß, der dich umgibt, wie den eigentümlichen Duft, der dir eigen ist.

Ich liebe diesen Geruch, wie alles an dir.

„Du hast Recht, mir geht es im Moment nicht so besonders.“
„Möchtest du darüber reden?“
„Nein.“ Zur Unterstützung schüttle ich leicht meinen Kopf, doch offenbar genügt dir diese Antwort nicht und du drehst mich so, dass deine Finger mein Gesicht aus einer bequemen Position auf dich richten können.

Lange siehst du mir in die Augen und ich fühle mich schutzlos. Schutzlos, weil das Make-up hinter dem ich mich Tag ein, Tag aus verstecken kann, fehlt und schutzlos, weil ich weiß, dass du bis in die Tiefen meiner Selbst sehen kannst.

„Ist es wegen Sandra?“

Du hast den wunden Punkt getroffen und ich kann nicht verhindern, dass du diesen Treffer in meinen Augen schimmern siehst.

„Tut mir Leid, wenn du in letzter Zeit ein bisschen zu kurz gekommen bist.“
„Ist schon in Ordnung, Tom, du hast dir ne Freundin verdient.“
„Du bist nicht eifersüchtig, weil sie mich wollte und nicht dich?“

Wie kommt er nur darauf? Weil ich sie am Anfang nett gefunden habe und sie erst mir schöne Augen gemacht hat? Letztendlich ist sie aber bei mir abgeblitzt, weil es in meinem Herzen bereits jemand anderen gegeben hat, nämlich dich.

„Nein, daran liegt es nicht.“
„Sag mir, was dich bedrückt.“
„Lass gut sein, Tom. Dass wird schon wieder.“

Ich stehe auf und du siehst mir stumm zu, während ich meine steifen Glieder strecke und dann anfange den Schlafsack zusammenzurollen. Die Sonne ist bereits fast vollständig aufgegangen und die Strahlen bilden merkwürdige Muster auf deinem Gesicht.

„Gib mir deine Hand.“

Verwundert, da ich nicht weiß, was du vorhast, gebe ich sie dir und du lässt dich von mir hochziehen. Nun stehen wir da, unsere Körper eng beieinander und unsere Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Es wäre ein Leichtes dich jetzt zu küssen. Meine Lippen sanft auf die deinen zu legen, zu erkunden, ob dein Geschmack ebenso verführerisch ist, wie dein Duft.

Etwas stimmt nicht mir dir.

Ich bemerke es erst jetzt. War ich so sehr in mein eigenes Selbstmitleid versunken, dass ich die Signale von deiner Seite des Bandes ignoriert habe? Kann es sein, dass auch du ein Problem hast, welches du dir von der Seele reden möchtest? Mein Blick wird weich, ich möchte dir sagen, dass du auch mit mir reden kannst, egal um was es geht, doch deine Hand, die in mein Haar greift und mit ihrem Daumen über meine Wange streichelt, beraubt mich der Fähigkeit zu sprechen. Erneut sehen wir uns lange in die Augen und als du dann deine Lider senkst, weiß ich, dass gleich etwas geschehen wird. Mein Verstand, der sich wochenlang gesträubt hat, kapituliert noch bevor ich deine Lippen auf den meinen spüre.

Mein Herz setzt einen Herzschlag aus, der mir wie eine Unendlichkeit scheint, denn es ist der eine Moment, der Realität und Fantasie miteinander verschmelzt. Du küsst sanft und zärtlich, auf eine Weise, wie ich sie mir immer erträumt habe. Endlich kann ich den weichen Kern, den du in dir trägst, aber immer durch deine scheinbar harte Schale verbirgst, am eigenen Leib erfahren.

Automatisch öffnen sich meine Lippen für dich und vorsichtig, so als ob du dir nicht sicher wärst, als dürftest du dieses Terrain betreten, gleitet deine Zunge in mich hinein. Wir umspielen einander voller Zärtlichkeit und erst als du dich von mir löst, kommt mir die Erkenntnis, dass ich den ersten richtigen Kuss seit über zwei Jahren mit meinem Bruder geteilt habe und es war gut. Es war unbeschreiblich gut. Nur mühsam kann ich den Impuls, dich erneut zu küssen, unterdrücken.

Was wird nun geschehen? Verrätst du mir was deine Motivation war?

„Ich weiß, was du fühlst, Bill.“
„Wirklich?“
„Ja, denn ich liebe dich auch.“

Tränen kämpfen sich in meine Augen empor, ich möchte sie zu zurückdrängen und noch scheint es, als würde ich gewinnen.

„Wir können nicht zusammen sein.“
„Warum nicht?“
„Weil es falsch wäre.“
„Aber warum hast du mich dann geküsst?“ Verzweiflung liegt in meiner Stimme.
„Weil es dass war, was du gewollt hast.“

Tom hat Recht, genau dass habe ich gewollt und mir von ganzem Herzen gewünscht. Mir ist bewusst, dass auch er mich küssen wollte, doch ich ahne, schon seine nächsten Worte bevor er sie sagt.

„Ich werde mit Sandra nicht Schluss machen, Bill. Mag sein, dass ich sie niemals so lieben kann, wie dich, aber ich will versuchen, ein normales Leben zu leben. Mir reicht es, dass die Öffentlichkeit jetzt schon eine Hetzjagd auf uns veranstaltet, ich möchte nicht erleben was passiert, wenn sie erfahren, dass wir uns mehr als brüderlich lieben.“

„Verstehe.“

Es stimmt auch, ich kann es verstehen. Aber mein Herz… Es fühlt sich an, als wäre es zerfetzt und in tausend Teile gerissen worden und nun verblute ich innerlich. Matt lächle ich dich an, damit es wenigstens so aussieht, als könnte ich mit deiner Zurückweisung leben. Du brauchst dir keine unnötigen Gedanken um mich machen, ich werde nichts Unüberlegtes tun. Mich nicht eine Klippe hinunterstürzen oder irgendwelchen Drogen verfallen. Nein, ich nehme die Isoliermatte und den Schlafsack und gehe hoch in mein Zimmer, ohne einmal zurückzublicken.

Die Terrassentür schließt sich hinter mir ebenso leise, wie sie sich für dich vor wenigen Minuten geöffnet hat. Der Weg in mein Zimmer erscheint mir endlos, doch irgendwann erreiche ich mein Ziel, in dem noch immer schlafenden Haus. Matte und Schlafsack lasse ich auf den Boden fallen, während ich zum Fenster gehe und in den Garten blicke. Du stehst noch immer an der Stelle, an der ich dich zurück gelassen habe. Deine Hände sind zu Fäusten geballt, deine Miene versteinert. Plötzlich siehst du zu mir hoch. Kurz erschrecke ich, dann sehe ich zu meiner Verwunderung, wie du schnellen Schrittes ins Haus eilst. Scheinbar ist dir egal, ob du Mama und Gordon weckst, denn du polterst die Treppe ordentlich hoch.

Die Tür zu meinem Zimmer wird von dir aufgerissen und blitzschnell wieder geschlossen, dann gehst du auf mich zu, mit einer Befragung beginnend. Hätte ich gekonnt, wäre ich zurückgewichen, doch längst berührt mein Po die Kante des Schreibtisches, der vor meinem Fenster steht.

„Wärst du bereit für uns zu kämpfen?“
„Ja.“
„Würdest du unsere Karriere für uns aufgeben.“
„Ja.“
„Könntest du mir schwören, mich nie zu verlassen.“
„Ja.“

Du stehst vor mir und eine letzte Frage huscht über deine Lippen.

„Verzeihst du mir, dass ich eine Minute dran gezweifelt habe?“
Unwillkürlich muss ich lachen, während nun wirklich Tränen über mein Gesicht laufen. Doch es sind Tränen der Erleichterung und sie vermischen sich mit dem Geschmack deiner Lippen, als ich dich glücklich küsse, doch dann fällt mir noch etwas ein.

„Und was ist mit Sandra?“
„Wer ist Sandra?“, fragst du und ich weiß, egal was für Fragen und Probleme sich noch auftun würden, gemeinsam würden wir es schaffen, denn unsere Flucht hat nun ein Ende.


ENDE


Ich hoffe euch hat mein neuer Oneshot gefallen und ich freue mich schon sehr auf euere Reaktionen, auch wenn sie Kritik enthalten sollten. ^.^ Liebe Grüße Silver
_________________
Es war Morgens und doch noch Nacht,
als er plötzlich vor mir stand,
sein Lächeln wunderschön anzusehen,
mein Herz stand still, einen Moment nur
und doch lange genug um zu wissen,
auf ewig gehöre ich ihm
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